Artist: Michaela Thelenová (Ústí nad Labem / Czech Republic)
Presented work: „untitled” (2008)
Text by Petra Kutálková, La Strada, Czech Republic, o.p.s.
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In den menschenrechtlichen Dokumenten, einschließlich der Erklärung der Rechte von SexarbeiterInnen in Europa, wird das Recht des Menschen auf Leben, Freiheit und Sicherheit betont. Auf der Grundlage dieser Rechte darf niemand gezwungen werden, sexuelle Leistungen gegen den eigenen Willen zu erbringen oder diese Tätigkeit unter Bedingungen auszuüben, mit denen diese Person nicht einverstanden ist.
In den Diskussionen werden häufig die Begriffe „Prostitution“, „erzwungene Prostitution“ und „Frauenhandel“ vermischt. Während es beim Handel mit Frauen oder bei der erzwungenen Prostitution zu einer beachtlichen Verletzung der Rechte der ausgebeuteten Personen kommt, sollte die Prostitution als solche (und in einigen Staaten ist dies aus der legislativen Sicht auch so) als eine legitime Unterhaltsquelle angesehen werden.
Laut ILO (Internationale Arbeitsorgansiation) werden jedoch auch in der heutigen Zeit mindestens 1.390.000 Menschen jährlich gezwungen, sexuelle Leistungen gegen deren eigenen Willen oder unter Drohungen zu erbringen. Die zur Prostitution gezwungenen Frauen tragen die negativen Folgen auf ihre Psyche, Gesundheit, wirtschaftliche sowie soziale Lage. Die Kampagnen von Nichtregierungsorganisationen und internationalen Organisationen sind daher bestrebt, sowohl die breite Öffentlichkeit, als auch die Kunden der bezahlten sexuellen Leistungen darauf hinzuweisen, dass nicht alle in der Prostitution arbeitenden Frauen diese Arbeit freiwillig ausüben.
Frauen, welche zur Prostitution gezwungen wurden und Opfer von Menschenhandel oder anderer mit der erzwungenen Prostitution zusammenhängenden Straftaten geworden sind, geben sich immer wieder selbst die Schuld für das, was ihnen widerfahren ist. „Wie ich nur so naiv sein konnte und dem Angebot Glauben schenken konnte?“ „Ich hätte nicht versuchen sollen, Arbeit im Ausland zu suchen, es ist meine Schuld. Ich hasse mich!“ „Ich mache mir Vorwürfe, dass ich damals nicht versucht habe zu flüchten. Ich muss ständig daran denken. Keiner wird es begreifen, wie ich damals um mein Leben fürchtete. Ich fühle mich so dreckig.“ „Ich habe es nur wegen der Kinder gemacht. Er drohte an, dass sie abends nichts zum Essen haben werden, wenn ich kein Geld bringe. Sie sind noch so klein …“
Den Gedanken der eigenen Schuld zu überwinden ist nicht einfach. Vor allem wenn die Frauen in ihrer Umgebung Beschuldigungen zu hören bekommen. Und sie können sicher sein, dass sie welche hören werden. Bemerkungen, dass sie naiv wären, viel zu provokativ, dass sie wüssten, was zu machen wäre, dass sie flüchten könnten, dass sie allein dafür verantwortlich wären…, sind häufig. Die Gesellschaft sieht sie, ähnlich wie die Opfer einer Vergewaltigung oder häuslicher Gewalt, als Mitschuldnerinnen an. Ähnlich geht es auch Frauen, die mit der Erbringung der sexuellen Leistungen einverstanden waren. Sie haben jedoch nicht geahnt, dass sie zum Sex ohne Schutz gezwungen, vergewaltigt und geschlagen werden und ihnen das Geld vorenthalten wird, das sie verdient haben. Die Tatsache, dass für die Gewalt immer unter allen Umständen der Täter schuldig ist, ist leider in unserem Bewußtsein nicht so fest verankert wie die Stereotype, welche selbst in den betroffenen Frauen, das Gefühl der Mitschuld wecken.
Petra Kutálková
Nicht einmal schlafen war mir gestattet. Ich durfte essen, aber nur sehr rasch, bloß ein paar Minuten. Ich hatte kein Recht auf Schlaf. Wenn ich schlafen gehen wollte schlug er mich und warf mich hinaus auf die Straße.