Künstlerinnengruppe: h.arta group (Timisoara)
Abgebildetes Werk: „Being Afraid and Being Yourself “ (2007)
Text von Liviu Pop (Cluj) [DE] [EN] [TR] [HR] [SI] [HU] [CZ]
Das Unbekannte wird oft instinktiv als das Böse wahrgenommen. Minderheiten fallen dieser gedanklichen Verknüpfung häufig zum Opfer, weil ihre Andersartigkeit einfach weit von dem entfernt ist, was wir gewöhnt sind und kennen. Wir erwerben unser Wissen, indem wir einerseits Ähnlichkeiten zu dem, was uns schon vertraut ist, und, andererseits, die kleinen Unterschiede der neuen Situation aufspüren. Diese neuen Unterschiede bringen manchmal Ängste mit sich, wenn man sie nicht richtig versteht.
Ein paar Stunden vor der Gay Pride Parade, die am 9.Juli 2007 in Bukarest stattgefunden hat, zog eine andere Parade durch die Straßen der Stadt, auf der Menschen, die Angst vor dem Unbekannten hatten, ihre so genannten moralischen Werte zur Schau stellten. Es lässt sich nicht leugnen, dass diese Menschen im Namen einer Religion, die Liebe unter den Menschen predigt, die Menschenwürde jener in Abrede gestellt haben, die ihnen selbst nicht gleichen. Der Zusammenhang zwischen denen, die gegen die Gay Pride Parade demonstrierten, und der Kirche war nur allzu offensichtlich: Die DemonstrantInnen trugen religiöse Zeichen und schwenkten Tafeln mit Slogans wie „Wir sind orthodoxe Christen. Rumänien ist nicht Sodom“. Sogar orthodoxe Priester, die das Kreuz und Ikonen trugen marschierten Seite an Seite mit den DemonstrantInnen und beteten. Repräsentanten des Hochklerus der orthodoxen Kirche taten öffentlich kund, dass sie für die „Rückkehr zur Normalität“ unter den sexuellen Minderheiten beten werden.
Der kleine Unterschied, der sich aus ihrer sexuellen Orientierung ergibt, war für die guten Christen Anlass genug, Schwule und Lesben als total andersartig wahrzunehmen. Dabei ist es doch eine Ironie der Geschichte, dass so etwas von einer Religion ausgeht, die selbst einmal als Minderheit begonnen hat und mit denselben Reaktionen seitens der damaligen Mehrheit konfrontiert gewesen ist.
Die gewaltsamen Ausschreitungen, die sich ein paar Stunden später gegen die TeilnehmerInnen der Gay Pride Parade gerichtet haben, wurden von denselben „christlichen moralischen Werten“ legitimiert, die die Anti-Homosexuellen-DemonstrantInnen und die öffentlichen Bekräftigungen der Repräsentanten der orthodoxen Kirche zur Schau gestellt hatten.
Ein Argument gegen die standesamtliche Heirat von homosexuellen Paaren ist, dass sie keine Sonderrechte haben sollten. Doch ist es ganz offensichtlich, dass diese keine Sonderrechte einfordern, sondern nur die Rechte wahrnehmen wollen, die die Mehrheit genießt. Wir leben in einem säkulären Staat, in dem die Gesetze der Religion für die Gesellschaft nicht maßgeblich sind. Darüber hinaus ersuchen sie nicht die orthodoxe Kirche um ihre Zustimmung sondern fordern nur ihre Bürgerrechte ein.